Familien defekt? - Gar nicht! - 1. Teil

Kategorie: über Leben

 

Meine Freundin Luise erzählte mir neulich von einem Schlüsselmoment, der ihr in ihrem Alleinerziehendsein so richtig weh getan hat. Das war ein Gespräch mit einer guten Freundin, den sie ein kleines bisschen wie einen Verrat empfand. Diese war in einer gar nicht so harmonischen Beziehung mit einem Mann, mit dem sie vielleicht auch noch Familie haben wollte. Oder eben auch nicht. Sie war nicht glücklich und schüttete ihrer langjährigen engen und jetzt alleinerziehenden Freundin Luise ihr Herz aus. Warum nicht trennen, wenn doch jetzt schon am Anfang einer möglichen Familie das Glück nicht so wirklich da ist. Die Antwort kam wie ein Keulenschlag: „Nein, das mach ich nicht. Am Ende wäre ich alleinerziehend. So wie Du!“ - Luise meinte, das wäre ein Schlag ins Gesicht gewesen, denn das bewertete doch ihre kleine Familie mit ihrer Tochter Mel wie: defekt, nicht gut, falsch.

Vor allem aber entsprach das so gar nicht ihrer eigenen Logik, hatte sie sich schon sehr früh nach der Geburt von Mel von ihrem Ehemann getrennt, weil der überhaupt nie da war, den Stress mit dem Baby nicht aushalten konnte und mit in die Beziehung trug und vieles mehr. Nie im Leben wäre ihr der Gedanke gekommen, dass das Baby jetzt der ausschließliche Motor dafür sein sollte, diese unharmonische Beziehung aufrecht zu erhalten. Und klar: Das Leben allein mit einem Baby und den Trennungsschmerz aushalten, das war überhaupt nicht leicht, zumal sie gleich wieder den Beruf aufnahm, um finanziell unabhängig leben zu können. Aber niemals wäre ihr der Gedanke gekommen, dass ihre etwas kleinere Familie schlechter sein sollte als eine völlig verkorkste „normale“.

Als Luise mir das so erzählte, dachte ich: Ja. Kenn ich auch. Vielleicht erzähl ich hier auch noch mal davon. Bestimmt. Jede Alleinerziehende kennt diese Geschichten von nicht glücklichen Zweielternfamilien und Zweieltern-Müttern, die ihnen erzählen, dass sie ja auch eigentlich alleine erziehen, weil der Gatte nie da ist, sich nicht kümmert, sie sich nur noch streiten. Und die dabei nie glücklich sind. Ich glaube wirklich, dass sehr viele junge Mütter diese Situation kennen.

Der Unterschied nicht etwa ist – wie viele von außen annehmen -, dass die Alleinerziehenden vielleicht verlassen wurden und deshalb unglücklich, vielleicht immer auf der Suche nach dem neuen Mann, der ihre kleine Familie dann wieder perfekt machen würde. Meistens sind die jetzt alleinerziehenden Mütter selbst gegangen, weil sie diese unglücklichen Beziehungen nicht noch zusätzlich wollten. Und sie dachten, dass getrennte glückliche Eltern vielleicht doch besser für das Kind sind als unglückliche zusammenlebende. SIE haben sich getraut zu gehen und es alleine zu machen. Und das tun sie in der Regel wirklich gut und erfolgreich. Für mich oft die mutigeren Frauen. Und die stärkeren, denn das werden sie spätestens ja auch mit und durch das alleine erziehen.

Warum also denken so viele „normale“ Familien, dass Einelternfamilien irgendwie defekt seien. Sind wir gar nicht.

Sonst nix!