Very very patchworky!

Kategorie: aus dem Leben

Jakob und ich waren gestern mit einer Freundin und ihrem Sohn im Spaßbad. ICH war danach ein wenig faul und bin mit Jakob zu McDoof gegangen. Eine der politischen Inkorrektheiten, die man sich als Mutter auch gerne angewöhnt: Schnell essen gehen für nicht sooo viel Geld und sich gleichzeitig ungeheuer beliebt beim Kind machen :-)!

Dort trafen wir dann Moritz, einen Freund Jakobs aus seiner alten Schule. Er saß dort  mit Mutter, älterer Schwester und dem sechsjährigen Bruder. Und einem Mann. Ich dachte, ist vielleicht ein Verwandter. Die Stimmung, als ich rüberwinkte und als Jakob schnell rüberging, um Moritz „Hi“ zu sagen, war ein wenig eigenartig. Später konnten Moritz und Jakob noch mal drei Worte ohne uns wechseln. Was er erfahren hat, hat uns beide echt überrascht:

Moritz' Familie ist very patchworky. Wir kennen uns seit der Einschulung von Jakob und Moritz. Damals war Moritz' Mutter hochschwanger mit Nick und zum zweiten Mal verheiratet mit dessen Vater. Also Moritz' und Leas Stiefvater.
Nun also ist diese Familie zerbrochen, was mich nicht sehr wundert, denn Nicks Vater konnte nicht in Berlin arbeiten und war nur am Wochenende da. Die großen Kinder fahren wiederum fahren regelmäßig jedes zweite Wochenende 200 km und zurück zu ihrem Vater. Die Mutter versucht gerade, nach einem beruflichen Bruch neu auf die Beine zu kommen.

Wenn alles andere sowieso schon kompliziert ist – Familie und Beruf und alles –, dann war das eigentlich organisatorisch nicht machbar, mehr als nur die Quadratur des Kreises. Ich kann mich an Moritz' Mutter in dieser Zeit immer nur am Limit ihrer Kräfte erinnern. Dennoch: Jakob und ich waren schon ganz schön überrascht, dass so plötzlich ein neuer Mann in der Familie wohnt. Sooo lange ist es ja nicht her, dass der Schulwechsel Mitte des Jahres den regelmäßigen Kontakt unterbrochen hat. Da war da noch Nicks Vater.

Also habe ich mich gefragt: Seit der Trennung von Jakobs Vater ist das ja nicht mehr so einfach mit dem Beziehungsleben. Für den Teil, der vielleicht auch NUR auf Paarebene stattfinden würde, bleibt ja kaum Zeit. Aber welche Kriterien müsste denn ein Mann erfüllen, den ich in das Leben meines Sohnes lassen würde? Oder anders gesagt: Den ich überhaupt meinem Sohn vorstellen würde?

Nein, ein Vaterersatz müsste er nicht sein. Jakob hat einen Vater, egal wie und wie oft er gerade da ist. Aber ich glaube schon, Jakob hätte so dann und wann gerne mal ein männliches Vorbild im alltäglichen Leben ganz gut gefallen. Das alles setzt aber voraus, dass Jakob ihn auf familiäre Weise so lieb gewinnt, wie ich darüber hinaus auch im romantischen Sinne. Aber – und dessen bin ich mir doch bis heute schmerzlich bewusst – was, wenn der romantische Part nicht mehr funktioniert? So eine Trennung ist ja nicht leicht, nicht für Erwachsene und schon gar nicht für die Kinder. Wie oft kann ich das meinem Kind zumuten. Denn bevor so eine Trennung wirklich verkraftet ist, vergehen sich ein, zwei, drei Jahre.

Und nachdem mich das gestern ein wenig nachdenklich gemacht hat, merke ich, dass all diese Bedenken sehr viel mehr im Hinterkopf mitlaufen, als es mir bisher bewusst war. Und dass irgendwas davon auch bei Moritz' Familie abläuft, konnte man an der verkrampften Situation gestern merken.

Ich hab nie mit Jakob über diese Möglichkeit gesprochen. Hat sich nicht angeboten. Aber er ist groß genug, ich wüsste eigentlich echt gerne, wie er das überhaupt sieht. Vielleicht könnte er damit ganz gut umgehen und ich weiß es nur nicht. Wie die Geschichte von dem  Ehepaar, das im Altern erst merkte, dass es aus Liebe zum anderen ungefragt ein Leben lang auf den Lieblingsteil der Schrippe verzichtet hat, weil jeder dachte, der andere mag  ihn genauso gerne wie er selbst....

Wie seht Ihr das? Das würde mich wirklich mal interessieren!