Junge Migranten lotsen alte Autochthone

Die Projektkreativität der Bundesregierung kennt keine Grenzen. Der jüngste gemeinsame Wurf von Bundesfamilienministerium, Bundesinnenministerium und dem Bürgermeister von Berlin-Neukölln lautet „JuMiLo“ und heißt übersetzt: Junge Migranten als Lotsen. Seit der treffsicheren Plakataktion „Sicherheit ist keine Frage der Herkunft“ kann man gespannt sein, was es mit diesem neuen Projekt auf sich hat. Beim Blick auf das Bild der Gruppe um Schäuble, von der Leyen und Buschkowsky an, fällt zunächst auf, dass unter den „Migranten“ auch Frauen sind, die aber offenbar keiner eigenen Benennung bedürfen.

An 15 Standorten werden die „jungen Migranten“ nun auf ihre Aufgaben vorbereitet, die unter anderem aus „persönlichen Patenschaften“, „Hilfe bei Bewerbungstrainings“ und „Nachhilfeunterricht“ bestehen sollen. Junge Migranten sollen so in bürgerschaftliches Engagement eingebunden werden. Unklar ist allerdings, ob sich die „jungen Migranten“ nun auch in zweiter Generation in Deutschland befinden dürfen, denn nach Bundesinnenminister Schäuble geht es um Authentizität: „Wer sollte zum Beispiel besser von Startschwierigkeiten beim Erlernen der deutschen Sprache oder bei Bewerbungen Bescheid wissen, als diejenigen, die es selbst erlebt haben" und „wenn es um junge Migranten geht, dann ist niemand authentischer als Migranten, die ihre Kompetenzen eingebracht und hierdurch ihren Platz in der Gesellschaft eingenommen haben“.

Da stellt sich die nahe liegende Frage, was eigentlich mit all den sonst gern ins Feld geführten „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ ist, die in Deutschland geboren sind und höchstwahrscheinlich von Anfang an deutsch sprechen. Dürfen die auch mitmachen und lotsen? Werden sie gelotst? Wen lotsen die jungen Migranten? Andere junge Migranten? Oder gar Migrantinnen? Alte Migrant/innen? Dürfen die "jungen Migranten" vielleicht auch alte Autochthone ("Deutsche") lotsen?

Vielleicht ist auch all das irrelevant, denn Identitätspolitik funktioniert offensichtlich nur für Minderheiten.