Fischgrätenmelkstand

Kategorie: lebenswert

Früher war ich oft auf Kunstausstellungen und -veranstaltungen. Irgendwann hat mich dann allerdings das wichtigtuerische Gerede der Kunstschaffenden genervt und als Jakob dann da war, bin ich gar nicht mehr hingegangen. Gestern hat mich eine Freundin gefragt, ob ich mit zu einem Vortrag in die Temporäre Kunsthalle komme. Weil Jakob an dem Abend bei einem Freund war, habe ich zugesagt.

Und es war klasse! John Bock, Künstler und Kurator der Ausstellung hat die Installation, die aus Arbeiten von insgesamt 63 KünstlerInnen bestand erläutert. Die Installation hieß "Fischgrätenmelkstand", weil sie wie die Melkvorrichtung in Kuhställen alle einzelnen Elemente ganz dicht zusammenfügt. Das Tolle an den Ausführungen von John Bock war, dass er sich das unverständliche Kunstgeschwafel gespart hat, sondern bei der Erläuterung der Arbeiten Bezüge zu Filmen, aktuellen Geschehnissen oder Musik hergestellt hat. So konnte man alles gut verstehen. Er hat sogar bei einer Arbeit zugegeben, dass er sie selbst nicht verstanden hat, und fügte hinzu: "Das ist das schöne an Kunst, man muss nicht alles verstehen, es muss einem einfach gefallen." Diese Einstellung finde ich gut. Denn so ist Kunst weniger anstrengend und macht mehr Spaß. Als wir bei den Arbeiten von Christoph Schlingensief in der Ausstellung anlangten, hat John Bock einfach geschwiegen. Keine andere Reaktion wäre hier angemessener gewesen.