Reaktionen auf den FAZ-Artikel „Die Hätschelkinder der Nation“

Thema: Medien

Die Reaktionen im Internet auf den FAZ-Schmähartikel vom 24.01.2010 waren so zahlreich wie unterschiedlich. Viele Blogger sahen sich veranlasst, auf ihren Seiten die Aussagen der Autoren Hank und Meck zu kommentieren. Auch einige Medien berichteten und sprachen dankenswerter Weise auch inhaltliche Fehler des schlecht recherchierten Artikels an.
 
Hier eine Auswahl an Reaktionen in diversen Blogs:

[…] Und gleich noch ein Schlauberger meldet sich zu Wort: Ein gewisser Klaus Schrader. Bestimmt ein Professor. Er doziert: “Eine Mutter mit zwei Kindern erhält 1500 Euro staatlicher Unterstützung. Im Dienstleistungssektor könnte sie entsprechend ihrer Qualifikation nur ein Einkommen von 1493 Euro erzielen. Warum sollte sie sich der Strapaze unterziehen?“ Ja warum? Wo doch jeder weiß, dass alleine zwei Kinder großziehen das reinste Honigschlecken ist. Warum sollte sie sich da die “Strapazen” antun und anschaffen gehen, wenn sie doch bequem von früh bis spät im Bett liegen könnte? Das machen doch Mütter mit zwei Kindern im Allgemeinen so, nicht wahr?
Der vollständige Beitrag findet sich hier:
http://www.weissgarnix.de/2010/01/24/wehrt-euch-gegen-die-hatschelkinder/

[…] dass die übliche Unterstellung einer Bedarfsgemeinschaft, nur weil man einen Partner hat (mit dem nicht mal zusammenwohnt) auch eine Haushaltsgemeinschaft bedeutet, die dann HartzIV überflüssig macht, ist anmaßend.[…]
Der vollständige Beitrag findet sich hier:
http://isis-welt.blog.de/2010/01/24/haetschelkinder-nation-alleinerziehe...

[…] Dass sich Paare gemeinhin nicht wegen irgendwelcher Prämien, sondern in Ermanglung des Bedürfnisses nach weiterem Zusammenleben trennen, interessiert diesen begeisterten Hetzer gegen falsche Rücksichten natürlich überhaupt nicht. Dass zu viele Leute diese Freiheit überhaupt haben, ist abermals der Grund zur Unzufriedenheit. Vor gerade mal ein Paar Jahrzehnten biss man ja auch die Zähne zusammen und hielt es miteinander aus: Die Familie war eine Schicksalsgemeinschaft. […]
Der vollständige Beitrag findet sich hier: http://pirx.blogsport.de/2010/01/25/alleinerziehende-mal-anders-betracht...

[…] Mit einem neuen Partner, da würde, nach dieser Logik, dann bestimmt die sofort einsetzende dringende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach frisch verheirateten Frauen mit kleinen Kindern einsetzen und ein großes Angebot von üppig mit Boni und Prämien gespickten Jobs auf die Bewerberinnen im Osten warten. Aber das renitente Weib müsste sich endlich wieder an einen Gatten binden und damit die Sozialkassen entlasten, beklagt eine bigotte Gesellschaft den Verfall der Sitten zu Lasten des Steuerzahlers. […]
Der vollständige Beitrag findet sich hier:
http://www.meinpolitikblog.de/2010/02/01/sozialschmarotzer-die-alleinerz...

[…] Hank und Meck reihen ein ökonomisches Argument ans andere. Rechnen auf, wieviel Alleinerziehende den Steuerzahler kosten, dass es für Alleinerziehende finanziell sinnvoller sei, ohne Partner und ohne Arbeit zu bleiben usw. Schon mal daran gedacht, dass nicht jede Mutter nur den Kosten-Nutzen Effekt im Kopf hat, wenn sie ein Kind zur Welt bringen möchte? […]
Der vollständige Beitrag findet sich hier:
http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2010/hetze-gegen-alleinerziehende/#mor...

In den Medien wurde wie folgt berichtet:

Junge Welt, 29.01.2010: Ganz deutlich hat man sie nach dieser Lektüre vor Augen: Da sitzen diese Alleinerziehenden teeschlürfend auf dem Sofa und zerbrechen sich den Kopf darüber, ob es im nächsten Urlaub nach Nizza oder doch lieber nach Thailand gehen soll. Die Kinder spielen derweil friedlich oder kochen schon mal das Mittagessen. Geldsorgen gibt es nicht. Streß im Job auch nicht, denn diese Idylle wird »vom Steuerzahler« finanziert. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 24.Januar weiß Erstaunliches zu berichten. […]
Der vollständige Artikel findet sich hier: http://www.jungewelt.de/2010/01-29/020.php

Giessener Allgemeine, 26.01.2010: […] Tenor des Artikels: 40 Prozent der betroffenen Frauen bezögen »Hartz IV«, der Sozialstaat »umsorge« sie mit einer Art »Trennungsprämie«, Berufstätigkeit »lohne« sich ebenso wenig wie ein neuer Partner. Diese Kernaussagen und die Überschrift des Artikels finde sie [Prof. Uta Meier-Gräwe] »grässlich«, so die JLU-Wissenschaftlerin. Keinesfalls sei das Gros der Alleinerziehenden zufrieden mit Arbeitslosengeld II. Diese Frauen seien häufiger berufstätig als Mütter in Paarhaushalten. […]
Der vollständige Artikel findet sich hier:
http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Stadt/Uebersicht/Alleinerziehend...

Bild von mamabo

moin moin,

von der Faz zensiert erschien mein Beitrag erst gar nicht unter den Kommentaren:

Offenbar hat nicht nur die Politik sondern auch die FAZ die Alleinerziehenden zu ihrem Lieblingsthema gemacht. Ein professionell gebauter, aber "perverser" Beitrag... vom "Väteraufbruch"? Jedenfalls, die Namen Rainer Hank und Georg Meck sollten Mütter sich merken! Und dann, Mütter, wehrt euch!
Eine Gesellschaft, die Kinderbetreuung zum individuellen Freizeitvergnügen arbeitsscheuer, betrügerischer, käuflicher Mütter erklärt, ist diese Kinder (und Mütter) nicht wert.  Macht statt dessen Karriere, ohne Kinder ... z.B. als Artikelschreiber
über die vergessenen Hätschelkinder der Nation, die armen, unterhaltspflichtigen Väter. Immerhin kommt nur jeder 2. seiner Pflicht nach. Ist das kein großes Geschäft? Frage:  Für wen? 

statt der Veröffentlichung erhielt ich folgende Antwort:

  "... vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an FAZ.NET.

So wie nicht jeder Leserbrief zum Abdruck kmommt, der die Redaktion erreicht, so wird auch nicht jeder Leserkommentar freigegeben. Dabei spielen mitnichten inhaltliche Fragen eine Rolle (im Gegenteil: Diskussion ist ja ausdrücklich gewünscht), sondern vielmehr werden Beiträge aus formellen Gründen nicht freigegeben, beispielsweise wenn die Beiträge Polemik enthalten. Wenn Sie Ihren Beitrag vor diesem Hintergrund noch einmal durchsehen und die eine oder andere Formulierung ein wenig entschärfen, steht einer Veröffentlichung Ihrer der Meinung der Autoren entgegenstehenden Meinung nichts im Weg. Wie gesagt: Diskussion ist ausdrücklich erwünscht - sie muss nur "im Rahmen" bleiben. 
Bei weiteren Fragen, Problemen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr FAZ.NET-Serviceteam"

Bild von Valeska

Mir ist auch aufgefallen, dass es in dem FAZ-Artikel fast nur um materielle/wirtschaftliche Gesichtspunkte ging. Den Autoren kam gar nicht in den Sinn, dass bei Trennunngen ja auch ganz persönliche und psychische Faktoren eine Rolle spielen. Gut, dass das in den Blogs manche angeprochen haben.