Mutterinstinkt
Thema: Alleinerziehend | Ausbildung | Mutter | Schwangerschaft
25. Oktober 2010 | 4 Kommentare »
Nach Monaten, die ich um ein bisschen Zuneigung gekämpft habe, die ich gelitten habe, die ich so oft geweint habe um einen Mann, der es im nachhinein nicht wert war, dass man überhaupt an ihn denkt, der Gedanke: irgendwas ist anders. Schnell zu Schlecker nach der Arbeit, wollen wir doch mal schauen... Der billige Test reicht, bisher war es immer Fehlalarm. Drei quälende Minuten: Oh, mein Gott! Das kann nicht.... Nicht nur ein Streifen, nein, da zeichnet sich tatsächlich noch ein zweiter ab. Zwar ganz blass, aber er ist da. Nein, das kann nicht sein. Da muss ich wohl noch einen machen nur zur Sicherheit. Also ab in die Apotheke ein bisschen mehr investieren und dann noch mal das ganze. Auch da die eindeutige Aussage: Schwanger.
So, jetzt ganz ruhig bleiben, keine Panik, noch steht nichts fest. Da kann auch irgendwas anderes hinterstecken. Erstmal ab zu Mama. Mutti kannst du mal kurz kommen?! Ich glaube wir haben ein Problem. Ein dickes Grinsen macht sich in ihrem Gesicht breit: Bist du schwanger? Öh, ich denke schon. Das Grinsen wird breiter: Hab ich mir schon gedacht, dass das passiert. Und nun? Was willst du machen? Weiß ich noch nicht. Ausbildung...Arbeit...Kind? Das würde nicht in meine Planung passen. Noch steht es nicht fest, Mutti, ich fühl mich auch nicht so. Tzzzzz Riesenlüge – auf einmal fühle ich mich schwindelig, mir ist schlecht und ich bin müde.
Am nächsten Tag bei der Arbeit: Frühschicht. Diesen Tag werde ich nicht überleben!!! Gegen Mittag kommt ein Kollege zieht mich an die Seite: Jenny, sag mal, bist du schwanger? Spinnst du, wie kommst denn auf den Mist? Ich frag ja nur, ich habe drei Kinder und meine Frau sah auch so aus. Jetzt hat mich die Unruhe gepackt. Dringend den Frauenarzt anrufen. Bei der Untersuchung geht das Feuerwerk im Kopf los. JA! NEIN! SCHWANGER! NICHT SCHWANGER! Insgeheim weiß ich die Antwort. Dann der Satz, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn hören will: Herzlichen Glückwunsch – Sie sind schwanger! Wie betäubt ziehe ich mich an und gehe ganz tapfer wieder zur Arbeit - nur diesmal mit einem Bild von meinem Kind in der Tasche und dem Gefühl, dass jetzt was Großes auf mich zukommt.
Wie sage ich es ihm? War das echt meine größte Sorge? Wird er mich noch wollen? Will er das Kind? Will ich das Kind? Diese Frage ist schnell beantwortet. Eine SMS: Wir müssen dringend reden. - Was willst du? - Ich muss mit dir reden! – Warum? Schreibs mir doch einfach! - Nein ich will mit dir sprechen, das geht nicht am Telefon! – Nerv doch nicht rum. - Doch ich nerve, es ist wichtig, ich kann das so nicht! - Sag nicht du bist schwanger!!! – Ja, ich bin schwanger, 6. Woche! - Das ist nicht dein Ernst. Und jetzt??? - Keine Ahnung, ich muss erst nachdenken. - Was gibt es da noch zu denken. Ich will kein Kind, du willst kein Kind. Treib es ab!!! Das hat gesessen. Ich mache mein Handy aus, um nachzudenken.
Am nächsten Tag steht das Treffen an. Ich habe Panik. Meine Mutter sagt: Egal, wie du dich entscheidest, wir stehen hinter dir. Danke Mama! Ich fahre zu ihm, dann sehe ich ihn im Rückspiegel auf mein Auto zukommen: Tränen, Angst, Zittern. Er setzt sich ins Auto: Ich will kein Kind und du bist in der Ausbildung. Treib ab, Jenny, treib ab! Ich will es nicht haben und du bist zu jung. Entweder ich oder das Kind. Dann höre ich mich sagen: Nein, ich werde es behalten und mir ist egal, was du willst. Das ist mein Bauch, mein Kind, meine Entscheidung. Lieber das Kind, als so einen Typen wie dich. Wow, ich bin selbst schockiert über meine Worte. Das aus meinem Mund an den Mann, von dem ich dachte, ich liebe ihn mehr als alles andere auf dieser Welt und er mich. Plötzlich der Satz: Ich habe dich eh nie geliebt. Ich hatte nie vor, zu dir zu kommen, ich bleibe bei meiner Freundin, die ich schon seit fünf Jahren habe. Und das Kind wirst du abtreiben. Sei doch nicht so dämlich, ein Kind ohne Vater. Ich will es nicht.
Wieder zu Hause, wache ich nach ein paar Stunden Heulen und Schlaf auf, mit der Hand auf meinem Bauch und dem schönsten Gedanken im Kopf: Ich werde Mama. Meine Mutter nahm mich in den Arm und sagte: Ich habe gehofft, dass du dich so entscheidest und gewusst, dass du das Richtige tust. Wir kriegen das schon hin.
Und das haben wir! Das ganze ist jetzt knapp ein Jahr her ich habe meine Ausbildung mit vorgezogener Prüfung abgeschlossen einen Arbeitsvertrag bekommen und das größte Geschenk: meine Tochter. Sie ist jetzt 4 1/2 Monate alt und das Beste, was mir je passiert ist. Ich bin alleinerziehend und stehe zu meiner Entscheidung...und meine Mutter hatte mit ihrer Vermutung Recht. Das ist eben der Mutterinstinkt.
Jenny H.


14. Mai 2011 | Autor/in: angie0977
Hallo Jenny,
ich bin in einer ähnlichen Situation wie du gewesen und auch bei mir war mir meine Mutter eine große Hilfe. Naja, auch ich hätte an Verhütung denken können, aber man kann die Zeit auch nicht mehr zurückdrehen. Aber jetzt jetzt wo man sein Kind hat und auch liebt - will man das dann überhaupt noch?
Also ich bin glücklich - auch ohne Vater. Auch ich bekomme nur UVG bis zum 6Lebensjahr. Bei mir spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle warum ich den Vater nicht benennen kann und möchte. Ich sage nur soviel: ich möchte mir ungern ein zweites Paar Augen im Hinterkopf wachsen lassen. Lieber mit weniger Geld und ohne Angst leben, als viel Geld und nicht wissen was morgen passieren könnte.
Klar macht man sich Gedanken wie man das finanziell schaffen soll, aber bis hier hin hat es ja auch geklappt. Ich glaube man wächst in die Aufgabe einer Mutter hinein. Alles zu seiner Zeit - so hat mir meine Mutter das immer gesagt. Leider ist meine Mom kurz vor dem ersten Geburtstag meiner Tochter verstorben, aber ich nehme ihre Ratschläge mir zu Herzen und bin glücklich, dass sie meine Tochter wenigstens kennenlernen durfte. Ich war die 2 Tochter von 4 und war die Einzige, die noch kein Kind hatte. Komisches Gefühl - als ob es sein sollte. Ich bin glücklich, dass ich mich damals für sie entschieden hab. Ich glaube ich wäre heute ein nervliches Wrack, wenn ich abgetrieben hätte.
Die schwere Zeit mit Heulkrämpfen und Ängste zu Versagen sind vorbei. Ich schaue nach vorne und mache das Beste aus dem was mir geboten wird.
Alles Gute Jenny. Du hast mit der Entscheidung dein Kind zu bekommen bewiesen, dass Du reifer bist als dieser 38jh. möchtegern Mann, der nicht einmal aufrichtig zu seiner Partnerin ist und sein eigenes Kind verleugnet. Aber alles kommt im Leben mal zurück.
05. November 2010 | Autor/in: supermami
Juhu Lucinda!
Glaubst Du da wirklich noch dran?
Wie oft habe ich von Männern gehört, Ihnen wäre "ein Kind angedreht" oder "untergeschoben" worden. Da fragt man sich doch, wo der Typ in den entscheidenden Minuten ( oder Sekunden) war ;-) Aber wehe, man fragt sie mal danach.
Und wenn das Kind dann da ist und man sich lang genug nicht gekümmert hat, bleibt einem ja noch das große Gejammer um den entsorgten Vater.
hoffen wir, dass wir unseren Söhnen ein besseres Verständnis von Verantwortung mit auf den Weg geben können.
27. Oktober 2010 | Autor/in: Jenny Har
Keine Sorge ich fühle mich nicht angegriffen
ich weiß ich hätte besser aufpassen müssen aber wie viele bin auch ich ein "Ich hab schon wieder die Pille vergessen" Mensch und er war ein "ich kann mit Kondom nicht " Mensch. Typischer Satz 
Ich wusste auch nicht das er schon in einer Beziehung war...Tzzzz wie Blauäugig!!!
Ja ich hab ihm vertraut und er hat mich ausgenutzt hmmm ich muss dazu sagen ich war 23 und er 38 (
) Mehr erfahrung und irgendwie ein idealmann der so geredet hat das ich ihm alles geglaubt habe hihi sicher kennt ihr den Satz : Ich passe auf da passiert nichts...Tadaaaaaaaaaaa...von wegen...
Also jetzt bin ich eines besseren belehrt, ich habe keinen Kontakt zu ihm und ihn auch nicht als Vater angegeben weil ich nicht möchte das dieser Mensch irgendwelche Rechte an meinem Kind hat...Selbstverständlich werde ich meiner kleinen auf nachfrage später sagen wer er ist aber jetzt möchte ich ihn nicht mehr sehen und er macht auch keine anstalten hat nicht einmal gefragt wie es mir geht...
27. Oktober 2010 | Autor/in: Lucinda Josefsdottir
Liebe Jenny, ich freue mich wirklich für dich, dass du deinem Gefühl gefolgt bist und dass du eine so wunderbare Mutter hast, die dich unterstützt. Ich glaube, das bräuchte jede Frau in so einer Situation. Ich frage mich aber schon, wie das denn so grundsätzlich mit der Verhütungsfrage ist (nicht jetzt dich persönlich, ich will dir keinen Vorwurf machen!!) , vor allem bei den Männern. Wenn einer mehrere "Kontakte" hat, dann muss er doch auch aus gesundheitlichen Gründen zumindest mal an Verhütung denken, sollte man annehmen. Oder?