Gedanken eines Vaters

Thema: Vater
Gedanken eines Vaters

Meine zwei Jungen sind bereits erwachsen und auch ich bin bereits aus „dem Gröbsten heraus“. Wir sind unbeschwert und doch konzentriert, wissbegierig und mit freien Gedanken, leichtfüßig und auch schweren Schrittes – meistens jedenfalls. Der Alltag hat mit seinen Gegebenheiten seine eigenen Gesetze, und so ist es nicht immer leicht, so zu sein, wie mensch will. Doch wohl fühlen wir uns erst, wenn wir sein können, wie wir sind.-

Mein älterer Sohn und ich haben mehrere Jahre allein in einer Wohnung gelebt. Wir haben für den Haushalt gesorgt, gestritten und gelacht, einander geholfen und „miteinander pubertiert“. Der Jüngere hat uns bei seinen vielen Besuchen mit seiner Unbefangenheit und seiner unbegrenzten Energie begleitet. Es war eine schöne Zeit und eine doch auch schwere zugleich.

Gewissheit, aufgefangen und behütet zu sein

Die Schwere, die mich eine Zeit lang begleitete, lag in der Ungewissheit und in Selbstzweifeln: Was wird aus den Kindern, was aus mir? Wie schaffst Du das alles?...Viele Fragen taten sich auf, auf die ich mir selbst oft dann keine Antworten geben konnte, wenn ich diese am dringendsten gebraucht hätte. Mein Körper reagierte oft: Die Muskeln verspannten, der Kopf tat weh, manchmal wollten sich die Beine gar nicht mehr bewegen. Niedergeschlagenheit, Depression, Alkohol, Suizid,…hätten folgen können, wenn ich mich nicht hätte an Freunde wenden können. Ihr Rat war mir wichtig. Es war schön, mich einmal anlehnen zu dürfen, wenn es an der Zeit war. Gespräche brachten mich auf andere Gedanken. Neue Ideen beflügelten mich, ließen mich neue Wege entdecken, diese gehen. Ich lernte, meine Grenzen zu (er-)kennen, und wagte es, bisher Unbekanntes zu tun. Und das alles im Gefühl der Gewissheit, bei Fehlern auch aufgefangen zu werden und so behütet zu sein.

Der Kreislauf des Lebens setzt sich fort

Ich fühle mich manchmal wie ein großer Laubbaum. Über meine Wurzeln sauge ich Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Das gibt mir Kraft und ich lasse meine Äste wachsen. Es können Blätter entstehen, die die Sonnenstrahlen einfangen. Ich werde stärker, ich wachse der Sonne entgegen. Meine Wurzeln werden stärker, neue Blätter entstehen: der Kreislauf des Lebens setzt sich fort.

Bis zu Ende

Und wenn ich am Grab meines leiblichen Vaters stehe, dann unterhalten wir uns: über das Wetter, die Kinder, meine Mutter,…Er liebte die Natur wie meine Kinder und ich es auch tue. Wir sind stolz aufeinander, trotz unserer Fehler, die wir gemacht haben und wir Lebenden noch machen werden. Und wir sind offen für alles Neue, Schöne, Angenehme und Wohltuende!

Michael P.

Bild von Pilzi

Hallo Michael,

dein Vergleich mit der Natur gefällt mir als "Naturliebhaberein" sehr gut. Besonders der Abstand, den wir gewinnen, wenn wir das Leben in einem größeren Zusammenhang betrachten. Unsere Probleme werden dadurch nicht so einfach gelöst, doch hilft es manchmal etwas Distanz zu gewinnen, einen anderen Blickwinkel.

Und unersetzliche Schätze sind die Menschen, die uns unterstützen und helfen.

Grüße von Pilzi

 

Bild von Biena

Lieber Michael,

ich finde auch, das du sehr schön geschrieben hast und sehr zutreffend.

Das können sicher die meisten hier gut nachempfinden. Eines möchte ich noch hinzufügen:

das wir sehr stolz auf uns sein können. Auf das was wir schaffen und das was wir haben - die Liebe unserer Kinder und das Glück ein wenig Kindheit  neu und doch schon bekannt  nochmal erfahren zu dürfen.

Viele Grüße

Biena

 

 

Bild von silli

Lieber Michael,

das hast du sehr schön beschrieben. Auch ich bin in einer ähnlichen Lage und es macht immer wieder Mut, von anderen zu hören, das es ihnen ähnlich geht. Immer stark sein schafft wohl niemand auf Dauer. Danke an unsere Freunde!

Liebe Grüße