In der Kletterhalle vergesse ich meine Sorgen

Thema: Sport

Als ich im vergangenen Jahr erstmalig eine Kletterhalle betrat, fühlte ich mich zunächst etwas verloren und verunsichert. "Was mache ich hier eigentlich?" ging mir durch den Kopf. "Das kann ich doch nie und nimmer!" Doch meine Freundin Beate schaute mich einfach nur von der Seite an und sagte: "Das schaffst Du schon!"

Schaffen?Vor 8 Monaten trennte ich mich von meinem Mann und lebe seitdem alleine mit meinen beiden Kindern und unserem Hund. Auf einmal war ich ganz auf mich gestellt. Manchmal wuchs mir die ganze Situation über den Kopf und ich fühlte mich ausgelaugt: Den ganzen Tag arbeiten und dann schnell einkaufen, kochen, putzen, Hausaufgaben mit den Kindern, mit dem Hund raus, völlig müde ins Bett fallen. Jeden Cent dreimal umdrehen und keine Zeit für mich haben…

Und jetzt hier in der Kletterhalle. „Mach was für Dich!“, hatte mir Beate immer wieder gesagt und eines Tages kam sie mit einem Gutschein für eine Schnupperstunde. Die Halle erschien mir sehr groß und die Wände sehr hoch. Ich sah viele Menschen, die so selbstverständlich mit ihrem Kletterequipment umgingen, dass ich schon Zweifel bekam, ob ich nicht doch lieber mit dem Laufen im nahe gelegenen Park beginnen sollte.

Meine ersten Griffe

Doch nach einer Einführung über Klettertechniken, Kletterausrüstung, Kletterschuhe, Partner-Check, Knoten, Toprope- und Vorstiegsklettern – Begriffe, die für mich wie böhmische Dörfer klangen – probierte ich die ersten Griffe an der Wand.

Was für ein Gefühl das war!

Ich merkte sofort, dass es unglaublich spannend und interessant war, mich Griff für Griff und Tritt für Tritt an der Kletterwand nach oben zu bewegen. Je höher wir kamen, desto mulmiger wurde allerdings auch das Gefühl in der Magengegend…

“Ich will wieder runter!”

“Das schaff ich nicht!”

“Nicht nach unten gucken!”

“Juhu! Geschafft!”

Doch oben angekommen, wurde ich mit der nächsten Frage konfrontiert: Wie komme ich wieder hinunter? Hinuntergelassen zu werden, war noch mal ein komisches Gefühl im Bauch! Unten angekommen, wollte ich aber nur eins: Wieder nach oben!

Einen Schritt nach dem anderen

Seither ist ein halbes Jahr vergangen - und ich bin stolze Besitzerin eines Kletterhallen-Jahresabos! Das Klettern ist abwechslungsreich, macht viel Spaß, erfordert Konzentration und Koordination. Und: Beim Klettern vergesse ich all meine Sorgen. Ich bin mutiger geworden und traue mir viel mehr zu als vorher. Auch wenn eine Situation schwierig ist, habe ich gelernt, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Ich lasse mich nicht mehr so schnell unterkriegen und habe viel mehr Gelassenheit -, denn ich weiß „Ich schaffe das schon!“

Marie F. (der Name wurde geändert)

Bild von Tina589

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Bild von Stefan Caspari

Hallo Frau'Unbekannt'!

Ich würde gerne sehen, wie Du wirklich ausschaust, und wie's Dir wirklich geht, und ob's dich wirklich gibt, denn Dein 'Name und Bild geändert'- Status lässt mich zweifeln.

Ich bin selber seit 8 Jahren alleinerziehender Vater meiner beiden Töchter, und habe die Erfahrung gemacht, daß dieser 'Job', will man ihn gut machen, persönliche Präsenz und Verantwortlichkeit erfordert. Dies bedeutet einen konkreten Namen und ein konkretes Gesicht.

Schöner wird Mann/Frau dabei sicherlich nicht, das wäre mir neu!

Ich bin etzwas überrascht, daß den allein erziehenden 'Kollegen/innen' vom VAMV kein anderes, als dieses stereotype Modelbild zu einen 'geänderten' Namen eingefallen ist!

Diese doppelte Anonymität mit Jubel-Erfolgsartikel als 'Portrait der Woche' anzubieten, halte ich für reichlich daneben.

Ansonsten finde ich die Idee des Portals ziemlich gut.

Herzliche Grüße aus München, von einem bayerischen VAMV-ler:

Euer Stefan Caspari

Bild von Peggi Liebisch

Hallo Stefan, schöne Frau auf dem Portait, nicht wahr? Sie ist eine von uns, kein Model, sondern eine echte Freundin, die uns ihr Bild (keine Profifotografie) zur Verfügung gestellt hat. Das werden wir auch so fortsetzen, weil wir die Persönlichkeiten schützen wollen, die uns ihre Geschichten erzählen. Das ist reine Vertrauenssache - denn es sind nicht nur "Erfolgsstories", die wir veröffentlichen werden - daher der doppelte Schutz. Aber als Einsteiger ist eine positive Geschichte besser geeignet, da wirst du mir zustimmen. Ich bin Wilson, einer der vier Portal-Redakteur/innen und auch meine Identität ist geschützt. Ich freue mich aber über jede Art von Kommentar und Antwort. Gruß aus Berlin.

Bild von Stefan Caspari

Hallo 'Wilson', oder wie immer Du heissen magst, oder willst, oder dich traust.

Wie kommst Du(Ihr) auf die Idee, daß Anonymität in dieser Gesellschaft grundsätzlich 'schützt'?

Die gesellschaftliche Erfahrung zeigt, daß nur Solidarität der betroffenen Gruppen wirklichen Schutz vor Diskriminierung und Ausgrenzung bietet.

Solidarität kann nur getragen werden von der Menge der einzelnen Individuen, die den Mut haben, sich auch zu zeigen, ganz persönlich, ganz konkret ;  die ihre ganz persönlichen Erfahrungen zeigen, und mit anderen teilen. Wohl gemerkt: Ganz persönlich!

Ich erinnere an die grossen Kampagnen aus den 70igern zum §218, wo z.B. eine grosse, ganz persönliche Pressekampagne"Ich habe abgetrieben" mit dazu führte, daß das Abtreibungsgesetz novelliert werden musste.

Die Schwulen und Lesben haben's begriffen, und outen sich ganz persönlich, um Diskriminierung zu begegnen, die Feministinnen führen ihren 'Kampf' ebenfalls ganz persönlich.

Ich finde, es ist unsere Aufgabe als 'Sachwalter' der Interessen der Alleinerziehenden, dafür zu sorgen, daß sich keine/er mehr verstecken muss aus Angst vor Versagensvorwürfen in der gescheiterten Beziehung, aus Angst vor der 'Schande', wirtschaftlich nicht auf die Füsse zu kommen, aus Angst, die 'normalen' und 'seriösen' Freunde könnten sich nach Kenntnis des wahren Sachverhalts abwenden etc. etc......

Erlaube mir, Dir (wer immer Du auch sein magst- ziemlich unfair, von Dir, auf diese Art einen Dialog als 'Redakteur' führen zu wollen oder...?) hier ganz klar zu sagen: Meine Interessen als Alleinerzieher vertrittst Du auf diese Art nicht!

Ich bemühe mich, meinen alleinerziehenden 'Kollegen/innen' Mut zu machen, sich in der Öffentlichkeit so zu zeigen, wie wir sind; und uns gegenseitig auf der Basis des realen Lebensalltags zu helfen, und diesen auch ggf. miteinander zu teilen.

In jedem Fall bemühe ich mich, Mut zu machen, aus der Anonymität des Opfers herauszutreten, damit Diejenigen, die glauben, uns als gesellschaftliche 'Randgruppe' definieren zu können, merken, daß sie es es mit einer ganzen Menge konkreter, höchst kompetenter Männer und Frauen aus Fleisch und Blut zu tun haben, die alleinerziehend höchste Kompetenz an den Tag legen.

Und das jeden Tag ohne Anweisung und ohne Chef!

So isses, ohne Wenn und Aber!

Daß Einzelne von uns auch mal Schutz und Anonymität brauchen, steht ausser Frage!

Aber so einen Fall als 'Portait der Woche' darzustellen, hat Präzedenzcharakter, und ist meiner Meinung nach, nicht der Sache förderlich.

Dies umso mehr, als Amelie Fried ja auch mit ihrem Namen firmiert....

Last, not least halte ich es für eine Frage des guten Stils, ob ein 'Redakteur' in seinem eigenen Medium unter Pseudonym schreibt, oder glaubt, schreiben zu müssen.

Glaubhaft ist das für mich nicht.

Viele Grüße aus München: Stefan Caspari

 

Bild von Torsten

Mir ist auch oft die Decke auf den Kopf gefallen. Job und Kind unter einen Hut zu bringen ist eine regelrechte Herausforderung. Seine Mutter hat sich schon vor Jahren mit einem anderen vom Acker gemacht. Aber wie sagt man so schön: "Reisende soll man nicht aufhalten!"

Ich gehe regelmäßig joggen um abzuschalten.

Mach weiter so!

Bild von Hase1207

Ich bin schon seeeehr lange alleinerziehend, aber ich kenne das Gefühl noch sehr gut plötzlich alleine für alles und jedes verantwortlich zu sein! Das kann ganz schön an die Substanz gehen und wie Lilly schon so treffend bemerkt hat, man braucht einen Ausgleich und muss auch auf sich selbst schauen, sich was Gutes tun. Die Balance ist wichtig, eine ausgelaugte, gestresste Mutter bringt den Kids auch nichts.

Weiter so!

Bild von Lilly

Herzlichen Glückwunsch an Dich, Dein Leben wieder angepackt zu haben und Dich der neuen Situation zu stellen und etwas für Dich zu tun. Das ist super wichtig! Lachend